ÜBER SANTO TOMAS
Karte von Peru

Perus vergessene Provinz

Die 80.000 Menschen zählende Pfarrgemeinde Santo Tomás -- mit ihren 100 Bauerngemeinschaften auf 2.500 km² Fläche -- liegt in den Südanden Perus in der Provinz Chumbivilcas im Departement Cuzco, auf Höhen zwischen 2.800 und 5.400 Meter.

Pfarrer der Gemeinde ist Padre Jeremias. Er ist 1934 geboren und Diözesanpriester aus Boston (USA). Seit den 60er Jahren arbeitet er in Peru; seit 1993 in Santo Tomás.

Das gesamte Gebiet ist vulkanischen Ursprungs, daher gibt es nur wenig anbaufähiges Land und ein bisschen Viehzucht. Das Gebiet ist durch einen Quellfluss des Amazonas geteilt. Der Zugang zur östlichen Pfarrei ist durch das tiefeingeschnittene Flusstal mit den vielen Seitentälern kaum möglich. In diesem Gebiet, in dem es nur fünf Brücken gibt, leben 30.000 Menschen in kleinen Bauerngemeinschaften fernab aller regelmäßigen schulischen oder gesundheitlichen Betreuung. Die Höhen und Tiefen sind nur zu Fuß zu überwinden.

Die Bruecke von Lara
Die Brücke von Lara, eine der fünf Brücken, die in den östlichen Teil der Pfarrei führen. Im Vordergrund Padre Jeremias.

Santo Tomás selbst mit seinen 4.000 Einwohnern auf 3.600 Meter Höhe, ist Provinzhauptstadt und 360 Kilometer von Cuzco (8 Studen Fahrzeit mit dem PKW), 850 Kilometer von Arequipa (15 Stunden) und 1.500 Kilometer (35 Stunden) von Lima entfernt. Trotz des anhaltenden wirtschaftlichen Rückgangs in Peru hat die Provinz in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Es wurden Straßen, Brücken und Schulen gebaut. Seit 1997 gibt es in der Provinzhauptstadt Santo Tomás und in einigen der größeren Orte Elektrizität und Telefonleitungen. Doch dieser Fortschritt reicht nicht aus. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt noch immer am Rande der Gesellschaft. Erst enorme Verbesserungen in der Landwirtschaft, in der Zucht von Lamas, Alpacas, Schafen und Rindern werden eine merkliche Veränderung der ungeheuren Armut bringen.

Nur knapp die Hälfte der Kinder besucht eine Schule. Es fehlt an Unterrichtsmaterial und Lehrer wollen kaum aus den Städten in diese abgelegenen Berge. Zwei Drittel der Mädchen über 16 Jahren sind Analphabeten. Bei den Jungen dieses Alters kann die Hälfte nicht lesen und schreiben. Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitslosigkeit zwingen sie in die Städte abzuwandern.

In der gesamten Provinz gibt es für 100.000 Menschen weder ein Krankenhaus noch einen Krankenwagen und nur einen Arzt; gelegentlich kommt ein Zahnarzt. Die Mehrheit der Bevölkerung kann vor Ort deshalb medizinisch nur notdürftig oder gar nicht versorgt werden. Eine Behandlung in einem der Krankenhäuser von Cusco oder Arequipa können sich die Menschen nicht leisten. Extrem hoch ist die Kinder- und Mütter-Sterblichkeitsrate. Jährlich werden 2.200 Kinder geboren; 250 Kinder sterben, bevor sie ein Jahr alt sind. Seit zehn Jahren konzentrieren sich daher die Anstrengungen darauf, ein Krankenhaus zu errichten. Bisher steht die Ambulanz. Die Chirurgie wird dieser Tage fertiggestellt, ein Patiententrakt ist im Bau.

Die Pfarrei unterhält folgende Einrichtungen:

Pfarr-Apotheke: In Räumen des Pfarramtes ist seit Jahren eine Apotheke eingerichtet. Kranke bekommen hier kostenlos oder ihrer finanziellen Möglichkeiten angemessen medizinische Hilfe.


Die Leiterin der Pfarrapotheke Alejandrina Huaman Lima (rechts)

Gesundheitsposten: In größeren Bauerngemeinschaften unterhält die Pfarrei Gesundheitsposten, die von einem ausgebildeten Gesundheitshelfer geleitet werden. Sie können auch Zähne ziehen.

Speisung von Alten und Kranken: Jeden Tag gibt es in der Pfarrei eine warme Mahlzeit für Alte und Kranke. Diese Zusammenkünfte bieten Gemeinschaft und fördern das Miteinander unter den Menschen.

Pastoralarbeit: Ein wesentlicher Schwerpunkt in der Pastoralarbeit liegt für Padre Jeremias in der Ausbildung der über 70 Katecheten. In fast jeder Bauerngemeinschaft sind sie tätig und kümmern sich um das religiöse Leben. Sie feiern Wortgottesdienste, bereiten auf die Sakramente vor, besuchen Kranke. Nicht selten übernehmen sie auch Aufgaben in der kommunalen Arbeit ihrer Bauerngemeinschaften. Einmal im Monat kommen sie in Santo Tomás für einige Tage zu Austausch und Fortbildung in dem Versammlungshaus zusammen, das sie mit unserer finanziellen Hilfe selbst gebaut und ausgestattet haben.

Arbeit auf dem Feld
Arbeit auf dem Feld.

Radiostation: Gemeinsam mit den Katecheten hat Padre Jeremias eine Radiostation gebaut, die später in eine rechtlich unabhängige Gesellschaft überführt wurde. Morgens um 4.30 Uhr geht das Team auf Sendung und bringt bis zum Abend Nachrichten, Musik, Ratgebersendungen und das Wort Gottes in die entlegensten Dörfer. Die Sendungen werden zumeist in Quechua, der gebräuchlichen Campesinosprache ausgestrahlt. Viele Redakteure sind pensionierte Lehrer.

Menschenrechtsarbeit: Seit Anfang 1999 gibt es wieder eine beratende Menschenrechtsstelle in der Pfarrei. Zwölf junge Katecheten ließen sich dafür auf Bildungsveranstaltungen ausbilden. Einmal im Monat kommt ein Rechtsanwalt aus Sicuani, der sie unterstützt.

Kinder-, Jugend- und Frauengruppen: Diese Gruppen werden im Ort Santo Tomás von Katecheten geleitet.